Fahrradwartung

Fetten, Schmieren, Ölen am Rennrad – was Du wofür benutzt

Wer sein Rad liebt, schmiert! Eine Kette muss flutschen, ein Sattel soll sitzen ... für all das gibt es die richtigen Schmiermittel. Und hier steht, welches Du wozu benutzt

Schmiermittel
Schmiermittel: Fett, Öl, Wachs, Teflon, Silikon - ein Fahrrad kann mit vielen verschiedenen Stoffen geschmiert werden - (Foto: triathlon-tipps.de)

Ein Rennrad ist eine komplexe Verbindung verschiedener Bauteile. Und die Schmierung daran ist fast schon eine kleine Wissenschaft: Was soll, wann und wo eingesetzt werden? Nehme ich Öl für die Kette oder Wachs? Darf Carbon überhaupt eingeschmiert werden? Wenn ja, womit am besten? Wie verhindere ich, dass sich eine Sattelstütze im Alurahmen festfrisst? Was ist der Unterschied zwischen Fett und Öl?

Zunächst: Warum soll man eigentlich etwas einschmieren am Rad? Es gibt zwei Hauptgründe für Schmiermittel:

  1. Bewegliche Teile sollen möglichst wenig an anderen Teilen reiben. Die Kette oder das Tretlager etwa sollte ohne großen Widerstand laufen
  2. Trennung verschiedener Bauteile. Etwa die Sattelstütze. Sie soll sich eben nicht festfressen, darf aber auch nicht rutschen

Im Folgenden gehen wir näher auf die Einsatzgebiete und die verschiedenen Mittel ein.

Was ist Öl, was ist Fett?

Erstmal die Grundlage: Ein Schmieröl ist eine Flüssigkeit, die sich nicht mit Wasser vermischen kann und zwischen zwei beweglichen Flächen einen Gleitfilm herstellt. So vermindert es die Reibung und transportiert auch Wärme ab.

Schmierfett ist Schmieröl, das verdickt wurde und so bei Raumtemperatur weniger flüssig ist. Es haftet besser und länger an, ist aber zäher und “kriecht” nicht so leicht in jede Ecke.

Übrigens: Oxidation und Mikroorganismen lassen Fett mit der Zeit altern. So wird es weniger wirksam. Daher sollte man eben manchmal neu fetten und dabei auch ein nicht allzu lange gelagertes Fett hernehmen.

Lagerfette als Schmiermittel beim Fahrrad

Dort wo sich etwas bewegt, braucht es Schmierung. Hier wird Lagerfett verwendet.

Einsatzbereich: Stark beansprucht sind beim Fahrrad zum Beispiel die Tretlager oder die Naben. Aber auch der Steuersatz oder die Pedale.

Produkte: Typische Lagerfette im Rennradbereich kommen von Galli (Amazonlink)
oder Shimano Lagerfett (Amazonlink).

Montagepaste/Montagefett als Trennmittel

Bei Montagefett handelt es sich um zäh anhaftende Fette. Der Sinn dahinter: Es soll verhindert werden, dass sich zwei Bauteile durch Korrosion miteinander so verbinden, dass sie nicht mehr zu lösen sind. Das nennen Profis auch “kalt verschweißen” oder „festfressen“. Fett wird eingesetzt bei Metallverbindungen, also Alu/Stahl, Titan. Achtung: Carbon ist ein Sonderfall! Dazu gleich mehr.

Einsatzbereich: Montagefett oder Montagepaste gehört auf Pedalgewinde, Innenlagergewinde, Gabelabdeckkappen oder Schrauben von Konus-Achsen. Aber jetzt bitte nicht gleich jede kleine Schraube fetten. Das wäre übertrieben.

Produkte: Park Tool Montagefett (Amazonlink).

Sonderfall: Carbon-Teile. Auch dieses Material kann sich nachträglich verbinden, das nennt sich dann „verbacken“.

Carbonteile werden aber grundsätzlich nie mit normalem Fett behandelt. Carbon ist ein sehr empfindliches Material. Wenn etwas daran verschraubt wird, darf es nur mit einem vom Hersteller festgelegten Drehmoment festgezogen werden, sonst nimmt es durch die auftretenden Kräfte schaden. Da fett aber schmiert und die Reibung herabsetzt, würde die Klemmkraft nicht mehr genügen.

Für Carbon gibt es daher spezielle Carbon-Montagepasten, die mit kleinen Schleifteilchen versetzt sind, die die Reibung gezielt erhöhen. Kleiner Nachteil: Durch die Schleifteilchen darin wird der Lack angeraut – kein wirkliches Problem, sieht aber nicht gut aus. Wenn man also etwas häufiger verstellt, etwa die Sattelstütze, kann man dafür auch Silikonspray verwenden. Das ermattet den Lack nicht.

Einsatzbereich: Überall, wo Carbon montiert wird.

Produkte: DIE Montagepaste für Carbon kommt von Dynamic (Amazonlink). Ein Silikonspray gibt es von Presto (Amazonlink).

Wie Du eine Carbonsattelstütze verbauen kannst, erfährst Du hier.

Öl/Wachs/Teflon für Kette

Die Kette ist Witterung und Schmutz gnadenlos ausgesetzt. Sie muss aber die Kraft möglichst reibungsfrei übertragen. Daher gibt es für sie spezielle Schmiermittel:

  • Kettenöl
    Der gute Standard. Wird hauptsächlich dann verwendet, wenn man mit Schmutz oder Regen rechnet. Öl haftet und schmiert sehr gut, zieht aber den Schmutz an und bindet ihn. Ähnlich ist es mit Kettenfett, das aber kaum verwendet wird.
  • Wachs
    Haftet, ohne Staub anzuziehen. Ist eine gute Kompromisslösung.
  • Teflon
    Zieht so gut wie kein Schmutz an, dafür haftet Teflon eben auch nicht so gut an der Kette. Folge: Man muss häufiger nachschmieren. Dabei ist Teflon die teuerste Variante.

Produkte: Von Finish Line gibt es sowohl Öl (Amazonlink), als auch Wachs (Amazonlink) oder Teflon (Amazonlink).

Feinmechaniköl und Kriechöl

Bleiben noch die kleinen Gelenke am Schaltwerk oder den Bremskörpern. Hier kann man ein Kriechöl einsetzen.

Produkte: Leser Tobias verrät uns in den Kommentaren, dass er zum Beispiel Kamelienöl für alle blanken Metallteile nutzt, sofern er weder mit Lager- noch Montagefett oder Kettenöl arbeitet.

Hier darf nie geschmiert werden!

Schmiermittel jeglicher Art solltet Ihr peinlich genau fernhalten von den Bremsklötzen und den Felgenflanken. Denn hier soll ja ungehindert Reibung zwischen den beiden Flächen entstehen.

Also beim Arbeiten mit Fetten, Ölen und Wachs aufpassen, dass diese Bereiche sauber bleiben.

4 Antworten zu “Fetten, Schmieren, Ölen am Rennrad – was Du wofür benutzt”

  1. oddoumat

    hallo 😀
    leider finde ich irgendwie keine eindeutige antwort.
    kann ich eine dünne fettschicht auf das sattelrohr auftrage um ggf. knacken zu vermeiden?
    vielen dank im voraus + gruß

  2. Stephan (Redaktion)

    Hallo, das kommt auf das Material des Sattelrohrs an. Fett hat an Carbon zum Beispiel nichts zu suchen.

  3. Tobias

    WD40 ist jedoch kein Feinöl sondern ein Waschbenzin, das man nur einsetzen sollte, um Metallteile zu entfetten oder bereits festgefressene bzw. verrostete Teile anzulösen. Keinesfalls darf es auf Lager, Ketten oder Kunstoffe gegeben werden. Bei Feinölen ist zu bedenken, dass es nicht ein Öl für alle Zwecke gibt. Je nachdem, ob die Reinigung, die Schmierung oder der Korrosionsschutz im Vordergrund steht, muss man ein entsprechendes Produkt wählen. Zum Korrosionsschutz wird vor allem bei Werkzeugen und japanischen Klingen Kamelienöl eingesetzt, welches ich auch an blanken Metallteilen am Fahrrad verwende, sofern ich sie weder mit Lager- noch Montagefett oder Kettenöl behandle.

    • stgoldmann@triathlon-tipps.de

      Ich glaube ich sage einfach nie wieder WD40, weil es immer Leute gibt, die einen dann darüber ellenlange Vorträge halten und man sich dann für dessen Benutzung rechtfertigen muss. Entschuldige, meinen Zynismus an der Stelle, ist nicht böse gemeint.

      WD40 bezeichnet sich selbst als Multifunktionsprodukt. Aus der Beschreibung:
      „Vorteile des Produkts:
      Verdrängt Feuchtigkeit, um Rost vorzubeugen und Elektrik zu schützen
      Dringt in eingeklemmten Teilen vor, um sie zu lösen
      Schmiert Ausrüstung und Teile für reibungsloses Arbeiten
      Entfernt Öl, Schmutz, Fett und Ruß
      Schützt Metalloberflächen vor Rost und Korrosion“

      Ich nutze es seit Jahren, um die Kette zu reinigen, das Schmieren mache anschließend wieder mit Wachs. Mir ist bewusst, dass viele das für unglaublich schlimm halten, überhaupt für irgendwas WD40 zu nehmen und wie gesagt: wenn man einen langen Diskussionsstrang irgendwo aufmachen will, schreibt man am besten was zum Thema Veganismus oder WD40.

      Herzlichen Dank für den Tipp mit dem Kamelienöl, das nehme ich gerne oben noch auf.

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