Radfahren im Triathlon - Teil 1

Rennrad oder Triathlonrad – was ist besser?

Allrounder gegen Spezialist - was hat die Zeitfahrmaschine dem normalen Rennrad voraus? Wo liegen die Vorteile eines Triathlonrahmens, und lohnt sich die Anschaffung für den Hobby-Athleten? Hier die Antworten

Triathlonrad - (Foto: ©iStock.com/filo)
Triathlonrad - (Foto: ©iStock.com/filo)

Unter Amateuren fristet das Triathlonrad ein kümmerliches Dasein: Von 45 Befragten auf Triathlon-Tipps.de hatten gerade mal drei ein richtiges Zeitfahrrad. 32 dagegen setzen sich auf das gute, alte Rennrad – immerhin 14 machen sich noch die Mühe einen Aerolenker als Zeitfahr-Aufsatz zu montieren.

Aber warum überhaupt einen Aufsatz? Und ist das schon der ganze Unterschied zwischen Tri-Bike und Rennrad?

Die Unterschiede zwischen Rennrad und Triathlonrad

Im Wesentlichen gibt es zwei Unterschiede zwischen Renn- und Triathlonrad:

1. Die Geometrie: Das Triathlonrad hat einen steileren Sitzwinkel. Heißt: Das Oberrohr ist kürzer, das Sitzrohr steiler – siehe Abbildung. Bei Rennrädern beträgt dieser Winkel meist 73 oder 76 Grad. Bei Tri-Bikes hingegen 78 Grad und mehr:

Links: Rennrad, rechts: Triathlonrad.

2. Der Aerolenker: Statt des gebogenen Rennradlenker hat ein Tri-Bike eine Liegeaufsatz (Aerobar) und einen Hornlenker. Wunderbar – aber was bringen nun diese Unterschiede dem Triathleten?

Vorteile beim Triathlonrad – Der Rahmen

Zuallererst ist da natürlich die Aerodynamik. Der (nicht optimierte) Radfahrer gibt bis 90 Prozent seiner Leistung an die Überwindung des Luftwiderstands ab. Eindeutig ein Sparpotenzial. Die liegende Haltung auf dem Triathlon-Rad senkt den Luftwiderstand. Bei einem Test haben die Mitarbeiter des Rennradmagazin Tour (Ausg. 1/2007) immerhin 172 Watt Leistungunterschied bei gleicher Geschwindigkeit gemessen zwischen Oberlenkerhaltung Rennrad und optimaler Zeitfahrrad-Einstellung. Immerhin: Diesen Vorteil kann der Triathlet eben noch durch einen Lenkeraufsatz etwas imitieren. Weitere Tipps zur Aerodynamik beim Radfahren findest Du hier.

Aber eben nur imitieren! Denn die Geometrie des Rennrads verändert sich dadurch ja nicht. Hier greift der zweite Vorteil: Durch den steileren Sitzwinkel des Triathlonrahmens vergrößert sich der offene Winkel im Bauchbereich. Das ist nicht nur angenehmer – schließlich muss man im Wettkampf verdauen und atmen. Es hat auch noch Vorteile beim anschließenden Laufen.

2006 zeigte eine Studie, die die Auswirkung eines steileren Sitzrohrs (getestet wurden 82 Grad gegen 72 Grad) auf die Muskeln untersuchte, dass der Biceps Femoris (deutsch: Schenkelbeuger, sitzt hinten im Oberschenkel) wesentlich langsamer ermüdet, dass die Triathleten nach dem Wechsel weiter ausgreifende Schritte machen können und nicht so gedrungen laufen. Im Schnitt waren die Probanden auf der olympischen Distanz 4:44 Minuten schneller. Nun waren das Spitzenathleten und die Studie fand im Labor statt. Es reicht allerdings allemal als Hinweis auf die Vorteile der Geometrie des Triathlonrahmens in Zusammenhang mit dem Aerolenker. Erst recht, wenn man sich diese Vorteile auf eine Langdistanz hoch rechnet.

Kurz gesagt: Ein Triathlon-Rad ergibt durchaus einen Sinn für Triathleten.

Nachteile beim Triathlon-Rad

Die Vorteile des Zeitfahrrades für den Triathlon erkauft man sich jedoch mit einigen Nachteilen. Denn die Geometrie des Triathlonrahmens verschiebt den Schwerpunkt des Fahrers auf dem Rahmen. Bei einem Rennrad verteilt sich das Gewicht ungefähr 50 hinten, 50 vorne auf dem Rahmen. Der steilere Sitzrohrwinkel hebt den Triathleten nun nach vorne über das Tretlager. Die Maschine wird kopflastiger – Verhältnis nun etwa 30 hinten, 70 vorne.

Heißt: Ein Zeitrad lässt sich deutlich unruhiger lenken, mehr Athletik und mehr Übung gehören dazu, es zu beherrschen. Und genau das bringt in bestimmten Situationen eine Menge Nachteile:

Befindet man sich auf kurvigen Strecken, verliert man so unter Umständen viel Zeit in den Kurven, und auch beim Herausbeschleunigen. Dasselbe gilt für Berge: Hier ist die Geometrie eher hinderlich – zum Beispiel, wenn man aus dem Sattel muss. Und einen aerodymischen Vorteil hat man am Berg dann eh nicht. Auch für das Fahren in der Gruppe eignet sich das Tri-Bike kaum – denn hier muss man oft schnell reagieren können und ruhig und sicher fahren. Wenn die Gruppe mal einen kleinen Sprint austrägt – das Zeitfahrrad kann da eher schlecht mithalten.

Fazit: Triathlonrad nur für Triathlon-Vielstarter

Für den ersten Triathlon ist es sicherlich egal, welches Rad man fährt – bei Schnuppertris oder auf Volksdistanzen sieht man Mountainbikes ebenso wie Hollandräder. Bleibt man beim (Kurzdistanz-)Triathlon, fährt aber oft in der Gruppe, oder in die Berge, sollte es ein Rennrad sein.

Nur dann, wenn man sich ganz dem Triathlon-Sport verschreibt – etwa der Langdistanz – und hauptsächlich alleine, lang und flach fährt, lohnt sich eine eigene Zeitfahrmaschine mit Triathlonrahmen.

23 Antworten zu “Rennrad oder Triathlonrad – was ist besser?”

  1. Tappi

    Vielen Dank für die kurze Zusammenfassung. Jetzt ist mir Einiges klarer, was bei anderen Webeiten so unter dem Technikkauderwelsch versteckt war. Danke Tappi

  2. stephan

    Hallo Tappi,

    Freut ich, dass es Dir gefällt. Aus der Richtung „Zeitfahrrad“ kommt demnächst übrigens noch mehr…

    Viele Grüße

    Stephan von den TriTipps

  3. lama

    Danke für den super Artikel.
    Jetzt versteh ich mehr und kann eine wirkliche Entscheidung treffen.

    Gruß,
    lama

  4. unentschlossener

    super tipps, habe überlegt mir ein triathlonrad zuzulegen, um für eventuell in der zukunft liegende triathlons gerüstet zu sein, jetzt weiß ich aber, dass ich doch lieber beim guten alten rennrad bleibe, aufsatz reicht dann noch allemal für die ersten wettkämpfe, sollte ich je (richtig!) schwimmen lernen 😉

  5. Otto h. Giffeler

    Das „normale“ Rennrad ist fuer die Strasse die bessere Wahl!
    Die im Labor ermittelten vergleichswerte sind nur beschränkt aussagekräftig!

  6. Chrisi

    Was man auch machen kann.

    Triathlon-Sattelstütze fürs normale RR kaufen: ändert die Sitzposition um ca 4-5 cm nach vorne (Imitation des 70 Grad Winkels)
    Zudem noch einen Variablen Vorbau von Look dann kann man den Lenker weiter nach unten setzen (was bei RR nicht geht wenn man schon alle Distanzringe entfernt hat)

  7. John

    Vielen Dank für den wirklich guten verständlichen Artikel der mir als Einsteiger einen sehr guten Überblick in das Thema gegeben hat.

  8. Angelika Fanai

    Das hat mir jetzt wirklich sehr gut geholfen!!! Danke vielmals! Ich habe im August meinen bereits zweiten Ironman70.3in Wiesbaden und werde wieder mit meinem Rennrad antreten 🙂 Aerolenker hab ich schon, aber jetzt hole ich mir eine Sattelstütze und den geeigneten Sattel dazu… das müsste dann reichen 🙂

  9. Mirko

    Super Beitrag! Ich lese den immer wieder, wenn ich mich gar nicht mehr beherrschen kann, ein Triathlonrad zu kaufen – obwohl es bei meinem Leistungsstand wirklich noch keinen Sinn macht 😉

  10. michael

    super Beitrag danke

  11. Lukas R.

    Also ich habe mir vor kurzem ein cube aerium Black & green Triathlonrad gekauft. 2100€ das bike und 700€ carbonlaufräder. Bin im winter nur auf der Rolle Gefahren. Heute zum ersten mal draußen. Das mit der sitzposition stimmt. Ich habe echt einen 70 zu 30 % Verhältnis. Kopflastiges fahren ist echt verdammt schwer. Ich hatte mehr Angst als Spaß. Ich hoffe einfach, dass ich mich an die Position gewöhne, denn ich muss mich schon sehr konzentrieren, dass ich geradeaus fahre. Nun ja ich möchte mal den ironman schaffen. Für mich ganz klar triathlonrad

  12. Stephan (Autor)

    Lukas, viel Glück! Man gewöhnt sich schon dran mit der Zeit…

  13. Andre

    Ich hätte beinahe ein neues und noch dazu ein Triathlonrad haben wollen. Dank euch verschiebe ich das nun. 🙂 Hat mir Geld und Ärger erspart und mich meinem Rad näher gebracht. danke dafür

  14. Stephan (Redaktion)

    @Andre – gerne. Hoffe, es bringt Dich voran.

  15. Konstantin Lotz

    Ob ein top Rennrad oder Zeitfahrrad auf einer Sprintdistanz ist egal, man muss sich immer das Profil der Strecke ansehen.
    Ab der 2. Bundesliga darf man nur noch mit Rennrad an den Start gehen da Windschatten freigabe ist. Ich hab e beides und muss sagen es ist nicht unbedingt schwerer zu lenken oder zu handhaben. Beides macht Spaß. Man sollte sich eher Gedanken machen wieso macht man diesen Sport und welche Ziele bzw. wo sieht man sich un 2-3 Jahren. Es fahren leider viel zu viele Deppen mit Rädern für Unsummen an Geld rum und können es nicht und andersrum talentierte mit normalen Rennrädern ohne drum herum und ziehen die Leute ab. Vorher denken, dann kaufen 😉

  16. Michael

    danke für die super Beiträge, haben mir sehr geholfen, bleibe doch lieber beim normalo Rennrad!
    ich bin wohl noch weit entfernt oder noch nicht bereit für ein Triathlonrad

  17. Ich

    Ich fand den Artikel ebenfalls sehr gut, weil untechnisch formuliert und sehr anschaulich berichtet. Zum Kommentar „Angst weil Lenker instabil“. Ich denke es gibt unterschiedliche Typen und wenn Freunde mir davon berichten wie sie auf der Bergabfahrt mit 126km mal wieder „alle“ Autos abgezogen haben, habe ich auch Angst. Das hat dann nichts mit dem Lenker sonden mit einer gesunden Selbsteinschätzung zu tun. Bei den Kommentaren zum Thema teuere Räder – schlechte Fahrer möchte ich daran erinnern, dass ein Rad auch etwas mit Spaß haben und schön aussehen zu tun haben kann und das ein schönes Rad durchaus auch motiviert. Bei aller Rationalität empfehle ich immer „probieren und auf den Wohlfühlfaktor achten“, auf 180km hilft es smir durchaus, wenn ich mich wohlfühle und auch wenn ich mein Fahrrad leiden mag.

  18. Ben_der

    Ich fahre auf einem sehr gestreckten komfort- Tri-Umbau aufbauend auf einem leichten Trekkingrahmen mit Rennrad-Laufrädern langdistanztouren bis 300km.Langes Oberrohr, sehr kurzer -30 grad Vorbau,vorgeköpfte Sattelstütze.Schnitte um 37 km/h sind auf der „Haus- und Feierabendrunde“ mit 60km nicht selten.Leute kucken zwar weils nicht aussieht, aber es ist bequem und schnell.Kann das im Flachland nur empfehlen.

  19. Manfred

    Überlege wie im Artikel beschrieben. Ich wohne in den Bergen; möchte daher einen Mix aus beidem – Rennrad mit Triathlonlenker (Horn).

    • Stephan Goldmann

      Ja, geht. Gibt es. Hatte ich auch eine Weile und hilft sicher ein bisschen weiter.

  20. Manfred Barthel

    Danke für diesen sehr!!! informativen Artikel! Er hat mir sehr geholfen!

  21. Petra

    Danke für den tollen Artikel. Oft googelt man stundenlang für Antworten…hier wird alles klar und deutlich erklärt!

  22. K.S

    Der Artikel hat mir bei meiner Entscheidung sehr geholfen. Leicht verständlich. Thx!

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