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Mit dem richtigen Reifendruck zur Bestzeit im Triathlon

Der Reifendruck des Triathlonrades scheint vernachlässigbar. Doch ein paar Bar hin oder her können Tempo und Komfort in der zweiten Disziplin merklich beeinflussen. So findet Ihr den passenden Luftdruck:

Ironman-Vize-Europameister Andreas Böcherer. Foto: privat
Ironman-Vize-Europameister Andreas Böcherer. Foto: privat

Nicht alles was im Triathlonwettkampf auf dem Rad schnell macht, ist aus Carbon oder sieht spektakulär aus. Im Gegenteil: Ein Faktor, der den Rollwiderstand und damit den Kraftaufwand in der zweiten Disziplin mit beeinflusst, wird von den meisten Athleten erst dann wahrgenommen, wenn er weg ist: der Reifendruck.

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Geringer Rollwiderstand dank richtigem Reifendruck beim Rennrad

Ein gut aufgepumpter Reifen rollt leichter. Das liegt daran, dass er sich beim Kontakt mit dem Untergrund weniger stark verformt. Je geringer diese sogenannte Aufstandsfläche ist, die der Reifen überwinden muss, desto weniger Kraft kostet es den Fahrer, ihn rotieren zu lassen. „Für mich als Profi ist im Wettkampf ein geringer Rollwiderstand entscheidend“, sagt der amtierende Ironman-Vize-Europameister Andreas Böcherer und fügt hinzu: „Das heißt aber nicht, dass ich beim Reifendruck ans Maximum heranpumpe.“ Das hat gute Gründe. Zum einen sinkt der Rollwiderstand ab einem bestimmten Druck nicht mehr entscheidend. In Labortests entstand ab 8,5 bar kein Wattvorteil mehr, der den Komfortverlust des sehr harten Reifens hätte ausgleichen können. Zum anderen verliert ein prall gefüllter Reifen seine Geschmeidigkeit. Er muss über alle Unebenheiten „hüpfen“. Das ist weder bequem noch schnell. Außerdem verschlechtert sich die Bodenhaftung in Kurven, bei Nässe und beim Bremsen.

Ausgerechnet im Wettkampf platzt der Schlauch, die Luft schießt aus dem Reifen. Jetzt heißt es so wenig Zeit wie möglich verlieren. So pumpst Du Deine reifen blitzschnell wieder auf. 

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Dein individueller Reifendruck

Ein paar Pumpenhübe mehr oder weniger können also großen Einfluss auf die Performance des Fahrrades haben. Günstiger und weniger aufwendig geht Leistungssteigerung kaum. Wer sich jetzt jedoch enthusiastisch im Internet auf die Suche nach Tabellen mit den besten Luftdruckwerten für die verschiedenen Triathlon-Distanzen macht, der wird enttäuscht. Der Reifendruck ist eine sehr individuelle Angelegenheit, weil er von vielen verschiedenen Faktoren abhängt: „Vor allem Reifenbreite, Systemgewicht, Straßenbeschaffenheit und Feuchtigkeit des Untergrunds bestimmen maßgeblich, mit welcher Luftdruck der richtige ist“, weiß Benjamin Blaurock, Produktmanager Fahrradreifen bei Spezialist Continental. Grob gilt:

So findest Du den richtigen Reifendruck

  • Schwere Fahrer sollten den Reifen praller füllen, um einen sogenannten Snake Bite zu vermeiden. Bei diesem drückt der Schlauch beim Aufschlag des Reifens auf eine Kante der Felge und wird von ihr schlitzförmig perforiert.
  • Bei rauem Asphalt sollte man den Reifendruck etwas verringern, da die Fahrbahnvibrationen sonst stärker spürbar sind und die Muskulatur früher ermüden lassen.
  • Ist die Straße nass, empfiehlt sich ebenfalls ein etwas niedrigerer Reifendruck, da die Aufstandsfläche und mit ihr der Grip größer werden.

Weniger Reifendruck, mehr Komfort auf dem Rennrad

Auch Böcherer variiert je nach Situation den Luftdruck seiner Reifen: „Im Training fahre ich gern etwas weniger Druck, weil das den Komfort deutlich spürbar verbessert.“ Und weil breitere Reifen komfortabler sind, wechselt er im Training auch gleich am liebsten von der Rennkombi aus vorn 23 und hinten 25 Millimetern auf gemütlichere 28-Millimeter-Modelle – die er dann mit entsprechend weniger Reifendruck fährt. Labortests zeigen, dass breite Reifen bei gleichem Luftdruck leichter rollen, weil sie sich in der Breite anstatt in der Länge verformen und die Aufstandsfläche so ebenfalls geringer ist.

Aber: „Bei 28-Millimeter- oder noch breiteren Reifen kann der Luftdruck die Aerodynamik vorn beeinflussen. Bei 25- oder 23-Millimeter-Modellen hat sich dieser Aspekt dagegen als vernachlässigbar erwiesen“, berichtet Jean-Paul Ballard. Er ist CEO und Mitgründer von Laufradspezialist Swissside, die unter anderem die Raelert-Brüder, Laura Philipp und Patrick Lange ausstatten. Er empfiehlt deshalb, beim Vorderrad im Triathlonwettkampf nicht über 25 Millimeter Reifenbreite hinauszugehen, um aerodynamisch auf der sicheren Seite zu sein.

Flexibel regulieren, flott und sicher fahren

Athleten, die es sich mittels Pneus und Reifendruck etwas leichter machen möchten, können sich an folgenden Schritten orientieren:

  • vorne einen 23- oder 25-Millimeter-Reifen montieren. Den Vorderreifen je nach Gewicht, Untergrund und Bedingungen mit 6 bis 8 bar füllen (siehe unten)
  • wer mehr Komfort möchte, sollte zunächst hinten von einem 23- auf ein 25-Millimeter-Modell wechseln, anstatt den Reifendruck zu reduzieren. Dieser dämpft besser ohne dass über den geringeren Druck der Rollwiderstand schlechter wird

Um den Luftdruck flexibel regulieren zu können, muss man erst einmal wissen, von welchem Wert man ausgeht. Die gute Nachricht: Auch wenn der Reifendruck sehr individuell ist, gibt es dennoch Faustformeln und Richtwerte an denen man sich orientieren kann. Vorab: Man sollte sich immer an die Vorgaben der Laufrad- und Reifenhersteller halten. Die erlaubte Luftdruckrange ist für gewöhnlich auf der Reifenflanke vermerkt. Innerhalb dieses Rahmens geht Profi Böcherer mit der simplen Formel Fahrergewicht geteilt durch zehn vor.

Wiegt ein Fahrer also beispielsweise 75 Kilogramm, pumpt er seinen Reifen zunächst einmal auf 7,5 bar auf. Reifenexperte Benjamin Blaurock rät, anschließend in kleinen Schritten von diesem Wert nach oben (schnelle Rennen auf trockenem, glatten Asphalt) und unten (nasse Fahrbahn, kurvige Strecke, rauer Belag) zu gehen. So kann man sich an den Luftdruck heranzutasten, der sich gut anfühlt. Tipp für Einsteiger: ist man noch unsicher auf dem Fahrrad, kann es helfen den Luftdruck zu reduzieren. Denn weniger prall gefüllte Reifen haften besser und geben dem Fahrer ein Gefühl von größerer Sicherheit.

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