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Ergonomie

So findest Du die passende Rahmengröße für Rennrad und Triathlonrad

Natürlich gibt es eine Formel, um die Rahmengröße zu errechnen. Daneben spielen aber auch Trends und andere Überlegungen eine Rolle.

Rahmengröße
Rahmengröße: Für die Rahmengröße ist vor allem der Abstand von Tretlager bis zum Beginn der Sattelstütze interessant. - (Foto: Triathlon-Tipps.de)

Radfahren beginnt mit dem richtigen Fahrrad. Und damit ist nicht zwingend ein sündhaft teures Kohlefasergeschoss gemeint. Häufig bringt die richtige Rahmengröße und das passende Fahrrad wesentlich mehr in Bezug auf einen „möglichst großen Gang möglichst schnell zu bewegen“. Denn Radfahren ist insbesondere im Zeitfahrmodus nichts anderes.

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Mode: Der Einsatz verschiedenerer Rennrad-Rahmengrößen über die Jahre

Im Straßenradsport gab und gibt es schon immer verschiedene Tendenzen zu Rahmengrößen: In den 1980er Jahren wählte man eher große Rahmen, überstehende Vorbauten waren verpönt und eine sehr gestreckte Sitzposition bei normaler Diamantgeometrie – also mit parallel zum Boden verlaufendem Oberrohr – die Regel.

Mit Aufkommen steiferer Rahmenmaterialien und mehr Möglichkeiten des Rahmendesigns in den 1990er Jahren wurden die Rahmen etwas kleiner gewählt, dank Aheadsetvorbau konnte man den Vorbau ohne Verluste bei Steifigkeit und Steuersicherheit auch höher einstellen.

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Heute werden die Rahmen in der Regel aus Carbon oder Aluminium oder in Verbundbauweise gefertigt, ergo sind kompakte Bauweisen und Slopinggeometrien die Regel. (Mehr zu Rennrad-Rahmentypen und -Materialien hier)

Was heißt das konkret? Ein Beispiel: Dominik Nerz, im Moment eines der größten Rundfahrtalente in Deutschland, fährt bei über 1,80 Meter Körpergröße einen 52er Rahmen, also numerisch einen deutlich zu kleinen Rahmen. Das gleicht er mit mächtig ausgezogener Sattelstütze und sehr langem Vorbau bei extremer Überhöhung von Sattel zu Vorbau aus.

Warum ein zu kleiner Rahmen besser ist als ein zu großer

Nun sollte ein Profiradfahrer zwar nicht unbedingt Vorbild für den ambitionierten Freizeitsportler sein, es zeigt aber dennoch eine Tendenz: im Zweifelsfall lieber einen etwas kleineren Rahmen wählen. Dieser ist leichter und einen Tick steifer, häufig etwas agiler und kann dank Vorbau und Sattelstütze an Bein- und Oberkörperlänge angepasst werden.

Ein zu großer Rahmen kann dagegen mehrere Nachteile bergen: das häufig zu lange Oberrohr muss durch einen sehr kurzen Vorbau und weit nach vorn geschobenem Sattel ausgeglichen werden, der Winkel von Becken zu Knie zu Pedal verschiebt sich und kann zu nicht optimaler Kraftübertragung führen, im schlimmsten Fall zu muskulären Dysbalancen und Problemen in Schultern, Rücken, Becken, Knie-, Fuß- oder Sprunggelenk. Sitzt der Sportler zu weit vorne, ist der Hüftbeuger, ein relativ kleiner und häufig nicht so leistungsstarker Muskel, gegenüber dem großen Gesäßmuskel, einem der stärksten Muskeln des Körpers, stark gefordert. Die mögliche optimale Kraftentfaltung ist also mit einem zu großen Rahmen nicht möglich!

Passender Rahmen für das Triathlonrad

Das normale Rennrad gilt auch für den Triathleten als Alltagstrainingsgerät. Bergige Strecken sind weit komfortabler zurückzulegen als mit einem Zeitfahrrad, das Fahren in der Gruppe ist perfekt möglich, eine komfortable Sitzposition ermöglicht stundenlange Touren beispielsweise zur Schulung der Grundlagenausdauer. Durch die Montage eines Lenkeraufsatzes ist es natürlich auch mögliches Wettkampfgerät für die olympische Distanz.

Das eigentliche Triathlonrad ist eher für die spezielle Vorbereitung auf den Wettkampf geeignet. Natürlich sollte der Dreikämpfer regelmäßig auf dem Rad trainieren, um sich an Position und Haltung für mehrere Wettkampfstunden zu gewöhnen. Die Kraftübertragung und Schmerzfreiheit sind dabei entscheidende Kriterien bei der Auswahl der richtigen Größe.

Tendenziell sitzt der Triathlet in Zeitfahrposition etwas weiter vorne im Vergleich zur Rennradposition, durch den flach aufliegenden Oberkörper verlagert sich die Muskelbelastung ohnehin von Hüftbeuger in Richtung Gesäßmuskel. Der Sitzrohrwinkel ist häufig auch einen Tick steiler als beim klassischen Rennrad.

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Hier ist ein zu kleiner Rahmen eher problematisch: eine extreme Überhöhung von Sattel zu Lenker gilt es zu vermeiden, da die Hüfte noch stärker abknicken muss.

Entscheidend für den Kauf ist also die Steuerrohr- und Oberrohrlänge, um die optimale Aeroposition zu finden: nicht zu gestreckt, nicht zu überhöht, korrekter Winkel von Oberkörper zu Hüfte zu Oberschenkel zu Unterschenkel zu Fuß. Dabei spielt natürlich auch Vorbaulänge und Länge des Lenkeraufsatzes eine wichtige Rolle.

Durch jahrelange Erfahrung bieten renommierte Hersteller natürlich ideale Geometrien für Zeitfahr- beziehungsweise Triathlonräder an, der Fachhandel sollte hier die erste Anlaufstelle für den Kauf sein. Der gute Händler kann hier auch beraten bezüglich Lenkeraufsatz und Einstellung.

Rahmengröße für Rennrad und Triathlonrad ausrechnen

Rein rechnerisch lässt sich die ideale Rahmengröße auch ganz gut berechnen. Dazu benötigt man seine Schrittlänge, die man folgendermaßen messen kann:

  • wir brauchen ein Lot oder einen Zollstock und eine Buch oder eine Wasserwaage als „Pseudosattel“
  • Schuhe ausziehen und in Unterwäsche mit dem Rücken an eine Wand stellen
  • Buch oder einer Wasserwaage zwischen die Beine klemmen und – so weit es geht – nach oben ziehen
  • darauf achten, dass das Buch oder die Wasserwaage waagrecht ist
  • von der Oberkante des „Pseudosattels“ wird dann bis zum Boden die Schrittlänge messen, entweder indem man das Lot fallen lässt und an der Schnur danach abmisst, oder indem man den Zollstock hinhält. Aber vorsicht: Der Stock darf sich dabei nicht biegen, das verfälscht das Ergebnis

Verschiedene Formeln für die Rahmengröße

Mit der Schrittlänge errechnen wir die Rahmengröße, je nach Rahmenart unterschiedlich:

Rennrad: Das Ergebnis mit 0,665 multiplizieren, dann erhält man die passende Rahmengröße in Zentimeter, gemessen von Tretlagermitte bis Oberkante Sattelrohr – Achtung: Bei Slopingrahmen misst man die gedachte gerade Linie des Oberrohrs, wobei die meisten Hersteller die Rahmengrößen ohnehin klassisch angeben.

Triathlonrad: Der Triathlonrahmen ist entsprechend 3,5 bis 5 Zentimeter kleiner zu wählen. Wobei das wirklich nur grobe Richtwerte sind, da es auch um Steuer- und Oberrohrlänge geht.

Im Idealfall besitzt der ambitionierte Triathlet übrigens zwei Räder: ein Rennrad, das im Zweifelsfall lieber einen Tick zu klein als zu groß ist und ein genau passendes Zeitfahrrad. Hier lieber einen Tick komfortabler und weniger aerodynamisch, dafür schmerzfrei bei optimaler Kraftübertragung.

Tipp: Wer es besonders abwechslungsreich mag schafft sich noch ein Crossrad an. Im Herbst und Winter können hier Fahrtechnik und Geschicklichkeit geschult werden. Abseits der Straßen windgeschützt auf Waldwegen, am Besten in der Gruppe und mit Laufabschnitten!

Die folgende Tabelle gilt als Schnellüberblick. Für den Kauf sollte wirklich eine konkrete Schrittlänge gemessen werden, da Athleten mit gleicher Größe noch lange nicht die gleiche Schrittlänge haben müssen.

Schnellübersicht Rahmengrößen Rennrad
Körpergröße (cm) Rahmenhöhe (cm)
155bis 165 48 bis 51
165 bis 170 51 bis 53
170 bis 175 53 bis 55
175 bis 180 55 bis 58
180 bis 185 58 bis 61
185 bis 190 61 bis 63
190 bis 195 63 bis 65
195 bis 200 ab 65

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