Schlagwörter: kleidung : rennrad : material :
Radsportbrillen gezielt kaufen
Die Auswahl ist so groß – bei Herstellern, Materialien und Preisen. Welches davon nur ist die passende Radbrille? Um Ihnen die Qual der Wahl etwas zu erleichtern, geben wir Ihnen mit unseren Triathlon-Tipps einige Entscheidungskriterien an die Hand, die Sie beim Kauf einer neuen Radbrille unterstützen
- Von Vera Honoschenko
- am August 8, 2008
- 1 Kommentar
Hauptaufgaben einer Radbrille ist sicherlich der Schutz. Genauer gesagt der Schutz vor
- Insekten
- Staubpartikeln
- Steinchen
- niedrige Äste
- extremer Sonnenlichteinstrahlung - Ultraviolettstrahlung, Blendung
- Fahrtwind
- Spitzwasser
Dazu kommt ein psychologisch-taktischer Faktor im Wettkampf: In Radsportkreisen heißt es, dass Radsportler mitunter die ersten waren, die dunkel getönte Brillen im Sport trugen, um den Augenausdruck vor dem Gegner verbergen zu können, was einen Vorteil mit sich brachte, da der Konkurrent nicht erkennen konnte, ob der Brillenträger zum Beispiel schon am Anschlag fuhr.
Nun, schützen tun fast alle Brillen. Woran erkennt der Athlet den nun die für ihn richtige Brille? Hier die Hauptkriterien:
Passform der Radsportbrille allgemein
Achten Sie beim Kauf unbedingt auf eine optimale Passform. Die Brille solle auch bei raschen Kopfbewegungen rutschfest, aber angenehm sitzen. Die Wimpern sollten die Gläser nicht berühren. Zudem sollte das Sichtfeld durch die Brillenfassung nicht eingeschränkt sein. Andererseits sollten die Brillenränder unten und oben noch genügend Abstand zur Haut haben, damit eine Luftzirkulation gewährleistet ist und vermieden wird, dass die Brille ständig beschlägt. Oder sie verfügt bereits über entsprechende Lüftungsöffnungen. Das bedeutet, dass zwischen Rahmen und Gläsern ein schmaler Zwischenraum zur Belüftung besteht, damit der durch Schweiß gebildete Feuchtigkeitsniederschlag auf der Brilleninnenseite durch einen effizienten Luftaustausch vermieden werden kann. Das Gewicht der Brille sollte relativ niedrig sein, damit sie auch bei einer stundenlangen Radausfahrt nicht zur Belastung wird. Im Idealfall ist die Brille so leicht, dass Sie vergessen, dass Sie eine tragen.
Brillenbügel
Die Brille sollte über in der Weite verstellbare Haltebügel verfügen. Falls die Bügel nicht verstellbar sind, muß die Brille angenehm hinter den Ohren halten, ohne dass sie rutscht, Druckstellen oder gar Kopfschmerzen verursacht. Manche Brillenhersteller bieten auch ein in der Neigung mehrfach verstellbares Bügelgelenk an – praktisch wenn die Ohren unterschiedlich hoch sitzen. Achten Sie darauf, ob im Endstück des Bügels Gummieinsätze angebracht sind oder nicht. Bei längeren Haaren können Sie sich beim schnellen Absetzen der Brille ein paar Haare damit ausreißen. Achten Sie auf eine saubere Verarbeitung, die Bügel sollten glatt sein und keine scharfen Kanten aufweisen, auch nicht an den Gelenken. Die Brillenbügel sollten bei bestimmten Materialien (Plastik) nicht zu filigran ausfallen, da sie sonst zu leicht brechen. Auch die Gelenke selbst sollten bei feingliedrigen Bügeln nicht aus Plastik sein, da sie zu schnell verschleißen. Es gibt außerdem noch kalt verformbare Brillenbügelenden, dass heißt, dass sich die Endstücke der Bügel individuell verformen und der Kopf- beziehungsweise Ohrform anpassen lassen, ohne dass sie zu diesem Zweck vorher erwärmt werden müssen.
Nasensteg
Es gibt gummierte und ungummierte Nasenstege. Feste und auswechselbare. Feste und verstellbare. Achten Sie darauf, dass die Brille – auch bei längerem Tragen – am Nasenrücken nicht drückt oder rutscht. Manche Hersteller bieten auch kalt verformbare Nasenstege an, die sich an die individuelle Nasenrückenweite anpassen lassen. Achtung: Überall wo gummierte Teile eingebaut werden, können gesundheitlich bedenkliche Weichmacher verwendet werden.
Material
Die Brillenfassungen im Segment Radsportbrillen bestehen aus relativ bruchfestem Kunststoff. Metall findet hier keine Verwendung mehr.
Manchmal wird eine Zwei-Komponenten-Bauweise angeboten, eine sogenannte Hart-Weich-Bauweise. Das bedeutet, dass Stirn- und Nasenauflage aus weicherem Material gefertigt wurden als der Rest der Brillenfassung. Dies soll den Tragekomfort und die Passform der Radbrille verbessern. Allerdings können dort ebenfalls gesundheitlich bedenkliche Weichmacher verwendet werden.
Praktisch sind auch Rahmenmodelle mit Wechselgläsern. So brauchen Sie nicht drei verschiedene Radsportbrillen für unterschiedliche Wetterlagen bzw. Lichtintensitäten, sondern nur die Gläser austauschen. Achten Sie darauf, dass sich die Gläser problemlos tauschen lassen, d.h. weder klemmen noch zu locker sitzen.
Gläser
Die Gläser sollten immer aus 100% bruchfestem Material bestehen (z.B. Polycarbonat), da sie einen Sturz oder den Fall aus geringer Höhe aushalten müssen.
Viele Hersteller lassen die Gläser mit unterschiedlichen Methoden (und Bezeichnungen) hartbeschichten, was die Kratzfestigkeit erhöht und Wasser abperlen läßt. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob die Gläser tatsächlich noch kratzerlos sind.
Gläser gibt es in verschiedenen Ausführungen:
- verspiegelt
- klar
- gelb
- orange/rot
- dunkel (grau bis braun oder schwarz)
- phototrope
- polarisiert
- speziell gewölbt
- optisch geschliffene
Verspiegelte Gläser reflektieren Lichtstrahlen, bzw. den größten Teil davon, anstatt sie zu absorbieren. Die Oberfläche ist sehr kratzempfindlich. Nicht verspiegelte, farblich getönte Gläser absorbieren die Strahlung.
Klare Gläser werden bei Dämmerung, Nacht oder Regen getragen. Sie verfügen über keinen UV-Schutz.
Gelbe Gläser werden bei bedecktem Himmel oder dunstigen bis nebligen Sichtverhältnissen getragen.
Orange/rote Gläser sollen bei schlechten Lichtverhältnissen kontrastverschärfend sein.
Dunkel getönte Gläser (braun, grau oder schwarz) mit ausreichendem Sonnenschutz bewahren bei hoher Lichtintensität die Augen vor dem ständigen Zusammenkneifen, was auf Dauer zu Verspannungen im Augenbereich, Augenbrennen und Kopfschmerzen führen kann. Blendung durch grelles Sonnenlicht setzt die Sehschärfe herab. Störungen in der Wahrnehmung beeinflussen die Grundstimmung und nicht zuletzt die Verkehrstauglichkeit.
Phototrope Gläser, welche die Scheibentönung automatisch der Lichtintensität anpassen. Das funktioniert über eingearbeitete Silbersalze, die sich bei entsprechender UV-Strahlung aufhellen oder verdunkeln. Allerdings sind diese Gläser auch temperaturabhängig – auch bei Kälte werden sie dunkler.
Manche Hersteller bieten die Gläser auch mit Polfilter (polarisierendes Glas mit eingebautem optischen Filter) zur Kontrastverstärkung an, was diffuses Streulicht absorbieren und damit die Sicht reflexionsfreier machen soll.
Zudem unterscheiden sich die Gläser in ihrer Wölbung. Manche Hersteller entwickeln die Radsportbrillen im Windkanal: Stärker gewölbte Gläser sollen das Auge besser vor Zugluft schützen und können, bei entsprechender Empfindlichkeit, z.B. einer Bindehautentzündung vorbeugen.
Optisch eingeschliffene Gläser benötigen Sie, wenn Sie fehlsichtig sind und keine Kontaktlinsen tragen können oder wollen. Diese Radsportbrillen bekommen Sie nur beim Optiker oder entsprechend autorisierten Fachversendern, da die Gläser Ihrer Sehschwäche entsprechend geschliffen werden müssen. Die Auswahl an Modellen von Sportbrillen mit optischer Korrektur ist etwas begrenzt. Fragen Sie bei Sonderwünschen Ihren Optiker.
Sonnenschutz
Die Sonnenschutzkategorie sollte angegeben sein. Ultraviolettstrahlung (UV-Strahlung) ist der Anteil der Strahlung im Sonnenlicht deren Wellenlängen (100-380 millionstel Millimeter = Nanometer = nm) kleiner sind als sichtbares Licht. Der Schutz ist ausreichend bei einer Herstellerangabe von „UV 400“ oder mehr. Ultraviolette Strahlung steht in dem Verdacht den Grauen Star (Katarakt) zu fördern. Hinter dunkel getönten Gläsern sind die Pupillen weiter geöffnet als ohne Sonnenbrille. Es können deshalb mehr UV-Strahlen auf Horn- und Netzhaut fallen und durch Entzündungen in Mitleidenschaft ziehen. Es gibt Gläser mit UV-A, -B, und -C-Schutz. Sonnenschutzgläser verfügen über einen Lichtdurchlass von weniger als 80%.
Uneinigkeit besteht noch, ob auch die grellen, blauen Lichtstrahlen im Wellenlängenbereich von 400-460nm schädlich wirken. (Stiftung Warentest: Im Zweifel – Ökotest: Keine Erwähnung – Prüfinstitut für Brillen in Göppingen: Schädlich)
Kategorien von Sonnenschutz
- Kategorie 1: Wenig Blendschutz. Flachland, wenig Sonne, ohne Reflexe. Lichtdurchlässigkeit von 43 bis 80 Prozent. Guter UV-Schutz.
- Kategorie 2: Mittlerer Blendschutz. Alltäglicher Gebrauch, mehr Sonne. Lichtdurchlässigkeit von 18 bis 43 Prozent: Ausreichend für Mitteleuropa. Guter UV-Schutz.
- Kategorie 3: Stärkerer Blendschutz. Urlaub, Sonne, Berge, Strand. Lichtdurchlässigkeit von 8 bis 18 Prozent: Hoher UV-Schutz (wie in Südeuropa).
- Kategorie 4: Hoher Blendschutz. Zum Beispiel im Gebirge. Hoher UV-Schutz. Ungeeignet im Straßenverkehr. Der UV-Schutz ist oft höher als in der Norm gefordert.
Fehler in der Optik
Optische Abbildungsfehler. Setzen Sie die Brille auf und blicken Sie eine kurze Weile umher. Prüfen Sie, ob das Bild verschwimmt oder glatte Kanten Dellen haben, und Sie beim Blick in die Ferne noch alle Buchstaben von Schriftzügen gut lesen können. Verlaufen Linien auf kariertem oder liniertem Papier noch gerade?
Keines der oben genannten Phänomene sollte auftreten.
Achtung: Sie sollten normalsichtig sein, das heißt ohne Korrektionsbrille volle Sehschärfe und gute Sehqualität haben.
Verfälschung in der Farbwahrnehmung. Prüfen Sie beim Kauf, ob Sie mit der Brille alle Farben noch unverfälscht wahrnehmen können oder ob z.B. dunkle Flecken auftauchen wo keine sind. Generell sollten Sie den Farbeindruck als angenehm empfinden. Spätestens an der nächsten Ampel sollten Sie überprüfen, ob Sie mit Ihrer neu erworbenen rot als rot und grün als grün sehen können oder ob sie anhand der Position der Lichter raten müssen. Falls ja: Bringen Sie die Radsportbrille wieder zurück.
Achtung: Sie sollten keine Rot-Grün-Sehschwäche oder andere Farbsehschwäche haben.
Antifog
Eine Antifog- oder Antibeschlagbeschichtung ist eine Spezialbeschichtung auf der Innenseite der Gläser, welche verhindern soll, dass sich Kondenswasser bildet und dadurch mehr Sicherheit durch bessere Sichtverhältnisse bietet. Sie wird weniger bis nicht benötigt, wenn die Brille bereits über Lüftungsschlitze oder -löcher verfügt.
Lieferumfang
Die Radsportbrillen unterscheiden sich teilweise sehr deutlich im Lieferumfang, was nicht unbedingt etwas mit dem Preis zu tun haben muß. Im Lieferumfang kann enthalten sein:
- Brillenetui/Aufbewahrungsbox - Softcase (Etui aus weichem Material), Hardcase (stabiles Etui) oder Pappschachtel
- Stoffbeutel aus Microfaser zur Aufbewahrung und als Reinigungstuch
- Wechselgläser
- Wechselnasensteg
- Brillenputztuch aus Microfaser
Brille kaufen - aber wo?
Discounter: Billige Radsportbrillen sind meistens besser als ihr Ruf. Den EU-Vorschriften genügen sie in jedem Fall. Der Rest ist Geschmackssache. Garantiebeleg ist der Kassenzettel.
Fachhändler: Sportfachhändler: Das Sortiment ist meistens sowohl tief als auch breit. Die Beratungsqualität ist sehr unterschiedlich. Vorteil: Sie können Ihre neue Radsportbrille aus- und anprobieren.
Onlineshops: Hier läßt sich alles finden. Jede Qualität und jede Preiskategorie. Leider können Sie die Radsportbrille nicht anprobieren. Aber es besteht das Fernabsatzgesetz nachdem Sie innerhalb von 14 Tagen den Kauf rückgängig machen können.
Auktionsplattformen: Hier läßt sich ebenfalls alles finden. Manchmal läßt sich hier ein Qualitätsprodukt zu einem günstigeren Preis erwerben. Es gilt das gleiche Recht wie bei Onlineshops, sofern es sich um gewerbliche Händler handelt.
Optiker: Er ist Ihre erste Adresse für Radsportbrillen mit optischer Korrektion, individuelle Beratung und Anpassung.
Servicefrage
Viele Hersteller, vor allem die großen Markennamen, bieten Garantien über die gesetzlichen Laufzeiten hinaus und sind oft sehr kulant in Einzelfällen. Das macht sich in der Qualität der Radsportbrillen und natürlich im Kaufpreis bemerkbar.
Leider ist die Qualität nur begrenzt unmittelbar überprüfbar. Zum großen Teil müssen Sie sich auf die Angaben der Hersteller verlassen. Ein CE-Kennzeichen müssen lt. EU-Vorschrift alle Radsportbrillen haben. Außerdem müssen Filterkategorie und Anwendungsbereich, die Art des Filters und die Lichtdurchlässigkeit angegeben sein. Vorgeschrieben ist außerdem ein Warnhinweis, nicht direkt in die Sonne zu sehen und Angaben zur Pflege und Reinigung.
Farbe und Form sind Geschmackssache und unterliegen gängigen Modetrends. Wer auf sein Aussehen großen Wert legt, kauft sich die Brille in Gläser- und Brillengestellfarbe passend zu Rennrad und Bekleidung. Marken sind eine Frage des Geldbeutels, des gewünschten Services und der Ausstattung.
Manchmal empfiehlt es sich den Radsporthelm mit zum Brillenkauf zu nehmen – der Passform der Brille unter den Helm – nicht der passenden Farbe wegen. ;o)
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
- Rennrad Ausrüstung: Reifen blitzschnell aufpumpen
- Radtrikots und -hosen im Hotel schnell trocknen
- Hose für Radausfahrten im Winter
Stig schrieb am January 31, 2010
Danke für die Tipps. Als Kontaktlinsenträger hat man nicht selten das Problem, dass bei schnellen Abfahrten die Augen bzw. die Kontaktlinsen austrocknen und sich verabschieden. Wählt man eine geschlossene Brille, hat man oft einen breiten oberen Brillenrand, der in der Aeroposition wie ein dunkler Balken im Sichtfeld wirkt, bei schmalen Rändern ziehts dann wieder rein... any idea?