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Unterernährung im Sport

Anorexia athletica – wenn Sport-Ernährung zu weit geht

Wenn der Ernährungsplan zur Obsession wird, wenn das Gewicht den Sport nicht mehr unterstützt, sondern ihn schädigt, dann geht der Athlet zu weit. Hier die Warnzeichen

Essstörung
Essstörung: Auch unter Triathleten und anderen Ausdauersportlern leider verbreitet - (Foto: Triathlon-Tipps.de)

Beinahe jeder Sportler setzt sich heute – zurecht – intensiv mit der Thematik der Sporternährung auseinander. Viele befolgen strikte Ernährungspläne, um möglichst leicht zu bleiben, und dennoch dem Körper die wichtigsten Aufbaustoffe und genug „Treibstoff“ zur Verfügung zu stellen. Viele Triathleten und Läufer verweigern sich dabei den Genüssen des Alltags.

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Leider kann dieses Verhalten neben positiven leistungsfördernden Effekten auch Probleme mit sich bringen. Die Grenze zwischen gesunder, sportgerechter Ernährung und obsessivem Essverhalten ist oft schmal und nicht ganz leicht zu ziehen.

Typische Essstörung von Athleten und Sportlern

Laut Internationaler Definition von Erkrankungen (ICD-10) können folgende Essstörungen unterschieden werden:

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  • Anorexia nervosa (Magersucht) oder im Fall von Sportlern als Vorform Anorexia athletica
  • Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht)
  • Binge Eating Disorder
  • Atypische Essstörungen

Gerade die Anorexia athletica und eine Binge Eating Disorder sind im Athletenkreis immer häufiger anzutreffen und sollen an dieser Stelle diskutiert werden.

Wo liegt die Gefahr für uns Triathleten?

Unter Triathleten spielt das Körpergewicht im Besonderen für das Laufen und Radfahren eine wichtige Rolle. Die Leistungsfähigkeit bei gleichen sportartspezifischen Voraussetzungen ist bei niedrigerem Körpergewicht höher, auf dem Rad ist das leicht messbar in der Leistungsfähigkeit in Watt je Kilogramm Körpergewicht.

Die Anorexia athletica verläuft in der Regel zunächst relativ gefahrlos. Durch einen hohen Trainingsumfang und eine qualitativ verbesserte Ernährung kommt es zu einer Gewichtsabnahme. Der/Die Sportler/in erhöht seine individuelle Leistungsfähigkeit und merkt den Fortschritt im wahrsten Sinne des Wortes. Häufig versucht sie/er nun das Gewicht weiter zu reduzieren mit der Hoffnung auf eine weitere Leistungssteigerung, im bezahlten Profisport, gerade im weiblichen Bereich, ist das mittlerweile sehr weit verbreitet.

Dabei kann das langfristige Aufrechterhalten eines zu niedrigen Körpergewichts (hier sind die Bereiche laut WHO klar definiert als BMI kleiner 18,5 (der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat, also z.B. 60 geteilt durch 1,76 zum Quadrat) gesundheitliche Probleme mit sich bringen, unter anderem:

  • Kreislaufprobleme, niedriger Blutdruck, verlangsamter Herzschlag
  • brüchige Nägel und Haarausfall, Hautveränderungen
  • Nierenschäden, Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Blutarmut und Schwächung der Körperabwehr
  • Verlust an Knochenmasse bis hin zur Knochenschwäche und Osteoporose

Bei weiterer Gewichtsabnahme unter einen BMI von 17,5 spricht man bereits von einer Anorexia nervosa, also einer ausgeprägten Essstörung. Wobei die Definition nicht leicht zu ziehen ist. Sehr grazile Frauen mit geringer Muskelmasse, was im Leistungssport eher unüblich ist, können auch bei völliger Gesundheit einen sehr geringen BMI besitzen, in der Regel aber nicht unter 18.

Wann spricht man von einem „gestörten“ Essverhalten?

Hier gibt es keinen definierten Katalog oder ein Muster. Doch wenn folgende Fragen mit ja beantwortet werden können, ist die Wahrscheinlichkeit eines gestörten Essverhaltens beziehungsweise einer Essstörung hoch:

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  • Beschäftigst Du Dich täglich mehr als 5 x mit der Frage nach Essen, Kochen oder Kalorien?
  • Hast Du in den letzten 2 Monaten versucht, Dein Gewicht um mehr als 3 kg zu senken?
  • Leidest Du mehr als 2 x monatlich unter Binge-Eatings (dabei wird bei einer Mahlzeit, häufig nicht bei der eigentlichen Mahlzeit, eine sehr große Kalorienmenge aufgenommen; typisch sind mehr als 1500 kcal bei einer Mahlzeit und die Auswahl als nicht gesund geltender Lebensmittel (Süßigkeiten, Kuchen, Chips, Pizza, Eis, Fast Food)
  • Liegt Dein BMI deutlich unter 20?
  • Wiegst Du Deine Lebensmittel vor der Zubereitung ab?
  • Wiegst Du Dich selbst mehrmals täglich?
  • Isst Du nicht in Gesellschaft von Freunden oder Bekannten?

Warum die Essstörung den Sport beeinträchtigt

Noch entscheidender für den Sportler ist die Frage nach dem Sinn einer Körpergewichtsreduktion. Bei kritisch niedrigem Körpergewicht, Phasen unterkalorischer Versorgung und folgender, häufig unvermeidbarer, Binge Eatings, profitiert die sportliche Leistungsfähigkeit keineswegs.

Bei unterkalorischer Versorgung drohen Nährstoffengpässe gerade bei den für Sportler eher kritischen Substanzen wie Eisen, Zink und Vitaminen der B-Reihe, ein Verlust an Muskelmasse, die Gefahr von Mangelversorgung der Knochen und des Bindegewebes und damit eine Zunahme des Verletzungsrisikos.

Klassischerweise für den ambitionierten Sportler ist die typische Sporternährung: eine stabile, hohe Leistungsfähigkeit wird in der Regel durch eine qualitativ hochwertige Ernährung mit reichlich komplexen Kohlenhydraten aus Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Obst und kleineren Anteilen Lebensmittel tierischer Herkunft wie Eiern, Milchprodukten, Fisch und Fleisch ergänzt durch Hülsenfrüchte, Nüssen, Samen und etwas hochwertigen Pflanzenölen verfeinert durch frische Kräuter und Gewürze und etwas Süßem (insbesondere während intensiver Trainingseinheiten) erreicht.

Was tun, wenn man eine Essstörung hat?

Häufig profitieren für Essstörungen anfällige Sportler von einer Rückkehr zu dieser eher „klassischen“ Sporternährung. Der hohe Kohlenhydratanteil sichert die Qualität des Trainings ab, die Proteine sorgen im Zusammenspiel mit den Kohlenhydraten für die Erholung nach dem Training und die insgesamt hohe Qualität deckt vielseitig den erhöhten Nährstoffbedarf des Sportlers ab. Der überwiegend pflanzliche Charakter ist zeitgemäß und langfristig gesundheitsfördernd. „Belohnungen“, „Binge Eatings“, „Alles-erlaubt-Tage“, „Fastentage“ und „Dinner-Cancellings“ fallen weg, die Rückkehr zu einem normalen Essverhalten ist möglich.

Dabei sind mehrere, kleinere, kohlenhydratbetonte Mahlzeiten über den Tag verteilt leistungsfördernd und „essstörungsmindernd „!

Das Erreichen eines BMIs von mindestens 20, im Idealfall zwischen 20 und 24 ist anzustreben und leistungsfördernd, langfristig ist die Leistung gerade in einem kritischen Bereich an der Schwelle zum Untergewicht bei 2 bis 3kg mehr höher.
Vielleicht lassen sich dann nicht mehr alle Fragen (siehe oben) mit „JA“ beantworten?

Bei anhaltenden Problemen, zum Beispiel einem gestörten Essverhalten mit einer Dauer von mehr als 3 Monaten, empfiehlt sich die Hilfe eines Ernährungstherapeuten oder Psychologen. Die Anorexia nervosa verläuft bei 15 Prozent der Betroffenen tödlich.

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