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Trainingslager

10 Gründe dafür, nicht ins Triathlon-Trainingslager zu fahren

... und 3 dafür doch zu fahren

Daheim ist es auch ganz schön
Daheim ist es auch ganz schön: Warum es dort vielleicht das bessere Trainingslager gibt als auf Malle und Co. - (Foto: @ Fxquadro / Fotolia)

Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah. Das wussten schon unsere Großeltern, und fürs Triathlon-Training gilt das prinzipiell auch. Denn, auch wenn das Trainingslager im Süden seit Wochen bei den Vereins- oder Trainingskollegen Gesprächsstoff bietet: Unbedingt nötig ist es nicht, dass man sich dazu erst mal lange ins Auto oder Flugzeug setzt. Gute Strecken gibt es auch genug vor der eigenen Haustüre. Und da man jetzt mal mehr Zeit hat, lassen sich die üblichen Runden beliebig erweitern.

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Darum hier die wichtigsten Gründe, warum du es auch mal mit einem Traininglager in heimischen Gefilden probieren kannst:

1. Urlaubstage sparen

Wer schon im Frühjahr ein oder zwei Wochen nur fürs Training „ausgibt“, kann die wertvollen Tage nicht mehr in das Drumherum bei schönen Wettkämpfen in touristisch interessanten Regionen investieren (wo man vielleicht ein paar Tage vorher anreisen möchte, oder nachher noch was von der Gegend sehen will). Denkbar auch: ein längerer Urlaub mit Partner/in oder Familie, die einen vermutlich sonst ja meistens wegen des vielen Trainings viel zu selten zu Gesicht bekommen. In Jahren, wo die Brückentage arbeitnehmerfreundlich liegen, oder für die Bewohner in den Bundesländern mit vielen (katholischen) Feiertagen lässt sich der strategisch günstige Heimaturlaub außerdem besonders gut für mehrtägige Trainingsblöcke nutzen.

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2. Geld sparen

Ob Highend-Renner, Kompressionsklamotten, Neoprenanzug, Wattmessgerät, GPS-Pulsuhr, Startgebühren, Vereinsmitgliedschaft, Hallenbadeintritte usw.: So ziemlich alles im Triathlon teuer, mehr oder weniger. Wenn jetzt auch noch etliche hundert oder gar über tausend Euro an Kosten fürs Trainingslager dazu kommen, kann es schon mal eng werden, wenn man nicht zu den Besserverdienenden gehört. Auch Studenten oder Leute mit Kindern kennen das Problem: Bestimmte Sachen sind einfach nicht drin, zumindest nicht jedes Jahr. Wer zuhause bleibt, spart sich die Kosten für die Anreise, das Hotel, Essen und Trinken und eventuell die Campbetreuung. Die gesparte Kohle dann lieber in neues Material stecken, das man sich vorher vielleicht schon lange versagt hat.

3. Umwelt schonen

Triathlon gehört zwar nicht zu den umweltschädlichsten, aber auch nicht gerade zu den -freundlichsten Hobbys: Bei der üblichen Ausstattung kommen viele High-Tech-Materialien zum Einsatz, die oft auf Basis von Erdölchemie gewonnen werden, zum Beispiel Carbon oder Neopren, bei dem es sich zudem noch um eine chlorierte Verbindung handelt. Die Anreise zu diversen, mitunter weit entfernten Wettkämpfen trägt bereits einiges zum Kohlendioxid-Ausstoß bei – da muss es ja nicht unbedingt noch der jährliche Flug in den Süden sein?

4. Kein Rüst- und Reiseaufwand

Ingenieure in Industriebetrieben oder Arbeitsplaner kennen das Problem: Muss man zum Beispiel eine Maschine erst rüsten und bestücken, bevor es mit der Produktion losgehen kann, kostet das schnell die Hälfte der gesamten Arbeitszeit. Zwar geht das Packen fürs Trainingslager mit den Jahren etwas schneller, dennoch: Bis die Koffer gepackt und wieder ausgepackt sind samt sämtlichem Materials, dauert es. Noch aufwändiger wird es, wenn das eigene Rennrad mit auf die Reise soll, und wenn’s blöd läuft, wird es vielleicht sogar beschädigt. Es kann was vergessen oder verloren werden. Und, vor allem, wenn man fliegt, geht normalerweise praktisch ein ganzer Tag jeweils für An- und Abreise drauf.

5. Keine Akklimatisierung und Umgewöhnung

Nach der Ankunft im Süden muss man sich erst mal akklimatisieren: Es hat schnell mal rund zehn Grad mehr, die Luft ist anders, feuchter oder trockener … Im Hotelbett schläft es sich oft nicht so gut wie zuhause, und die Hausmannskost vom eigenen Herd ist doch immer noch die beste. Oder man kann zu seinem Lieblingsitaliener gehen. Kennt sich aus, wo welche Lebensmittel am besten zu bekommen sind. Nach der Rückkunft ein ähnliches Spiel: Kommando zurück, man muss sich wieder entwöhnen vom Urlaub. Das alles kann Kraft und Anpassungsfähigkeit erfordern, die dann für die eigentliche Trainingsanpassung fehlt.

6. Weniger Gesundheitsrisiken

Dieser Grund verwundert jetzt? Ok, ist auch nicht ganz zwingend, und muss man erklären. Es gilt folgendes zu überlegen: Viele neigen dazu, sich im Trainingslager aufgrund des Gruppenzwangs, oder vielleicht vor lauter Begeisterung über die vielen Möglichkeiten und tollen Trainingsstrecken, zu überfordern. Manch einer kommt dann krank zurück, oder der erste Infekt der Saison schlägt unmittelbar nach dem Camp zu. Eine Belastung fürs Immunsystem sind Reisestress, Flüge, andere Ernährung und Umgebung allemal. Manchmal sind zudem die hygienischen Verhältnisse vor Ort schlechter und fordern die Abwehrkräfte weiter heraus. Kommen dann noch übertriebene Umfänge – ein Klassiker im Trainingslager – dazu, haben die nächsten vorbeifliegenden Krankheitserreger meistens gute Chancen. Alleine fahren macht zwar weniger Spaß, verführt aber selten zum Überzocken. Auch das Risiko für Magen-Darm-Probleme, Sonnenbrände, Unfälle und so weiter ist im Trainingslager zumindest etwas erhöht. Wer nach dem Heimkommen gleich wieder einen längeren Trainingsausfall zu verzeichnen hat, für den ist der Effekt des Camps ganz schnell dahin.

7. Formaufbau besser planen

Zwar wäre jetzt die typische Zeit fürs Trainingslager, aber von der Form her bist du eigentlich (leider) noch gar nicht so weit. Jedenfalls sprechen die bisher absolvierten Trainingsumfänge nicht dafür, diese Saison schon die ersten 180 Kilometer am Stück auf dem Rad anzugehen, mehr als zwei Stunden am Stück im Schwimmbecken zu verbringen oder einen Halbmarathon zu laufen. Viele machen das (oder ähnliches) aber im Lager, was meist weder für die Gesundheit, noch für den systematischen Formaufbau förderlich ist. Ein Block von drei Tagen am Stück mit jeweils nur ein paar Stunden Training würde womöglich schon ausreichen – doch kaum einer macht nur so wenig, wenn er oder sie dazu extra auf die Kanaren, nach Mallorca oder in die Emilia Romagna etc. gereist ist. Auf den vertrauten Hausrunden lassen sich Streckenlänge und Belastung meistens einfacher anpassen. Bedenke außerdem: Die Trainingslager-Kollegen nur dann im Vorteil, wenn du dich etwa ein bis zwei Wochen nach ihrer Rückkunft im Rennen mit ihnen messen müsstest. Meistens kommt der Saisonhöhepunkt aber erst deutlich später im Sommer. Da müssen dann auch die anderen wieder zuhause trainieren. Bei vielen ist vom im Süden erworbenen Leistungsvorsprung schon bald kaum mehr was zu spüren, ihre aufwändig erarbeitete Form verpufft geradezu. Dann doch lieber gleich auf heimischem Asphalt solide und nachhaltig Frühform aufbauen. Apropos Form: Da mancher beim prall gefüllten Hotelbuffet dazu neigt, mehr als die wirklich verbrannten Kalorien reinzuhauen, ist auch die Gefahr, Gewicht zuzulegen anstatt zu verlieren im Trainingslager größer.

8. Bessere Abhärtung

Meistens ist es ja DER Grund fürs Süd-Camp: Das bessere Wetter. Doch in der Regel fährt man da ja nicht im Wettkampf, und muss in Deutschland oder seinen Nachbarländern dann, wenn’s ernst wird, schon mal mit ziemlich unwirtlicheren Bedingungen rechnen. Wer nicht gelernt hat, auch damit gut klarzukommen, steigt womöglich schneller aus dem Rennen aus, als wenn Regenfahrten oder kühle Witterung bereits zum eingeübten Repertoire gehören. Sowohl der Körper als auch die Psyche kann sich zuhause besser abhärten und – auch, wenn sich’s keiner wünscht – auf verregnete Wettkampf-Sommer einstellen.

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9. Heimisches Streckenrepertoire erweitern

Du warst schon zehnmal auf Mallorca, aber noch nie in Murnau? Dann wird’s aber Zeit! Oft werden aber die immer gleichen, altbekannten Runden abgefahren. Auch – und gerade – wer zuhause längere Radblöcke einbaut, kann jetzt Abwechslung ins Training bringen: Jetzt ist die perfekte Gelegenheit, sich auch mal an unbekannte Strecken zu wagen. Anders als bei organisierten Camps gibt es hier keinen Guide, der jede Abzweigung kennt und die geplante Streckenlänge sowie Durchschnittsgeschwindigkeit garantiert: Man muss sich selbst helfen und die Strecke austüfteln, Straßen studieren, Landkarten mitnehmen. Jetzt ist auch der ideale Zeitpunkt, sich endlich dem Thema GPS zu widmen (wer’s noch nicht gemacht hat). Gespeicherte Touren gibt’s im Internet üblicherweise mehr als genug, selbst in entlegenen Landstrichen ist das kein Problem mehr. Ein Tipp ist auch, einfach mal ein paar Stationen mit der S-Bahn, U-Bahn oder dem Regionalzug zu fahren und so ohne riesigen Aufwand in neues, bis dato unbekanntes Terrain vorzudringen, das sonst immer gerade etwas zu weit weg auch für die längste Trainingseinheit war. So erweitert sich der persönliche Radius, und dabei durchaus auch der Horizont.

10. Wettkampfstrecken in der Nähe abfahren

Falls Rennen in nicht allzu großer Entfernung geplant sind, lässt sich das Heimat-Training auch gleich mit einer Besichtigung der Wettkampfstrecke verbinden. Fahre doch schon mal den legendären Solarer Berg in Hilpoltstein bei Roth hoch (wenngleich da noch keine Zuschauer Spalier stehen), oder checke die Radstrecke des Ironman Frankfurt. Im Rennen ist klar im Vorteil, wer sich mit den Gegebenheiten der Strecken schon mal vertraut gemacht hat. Auch mental kann das viel bringen. Für die Lauf- und Schwimmstrecken gilt das natürlich ebenso. Schwimme schon mal in dem See, wo du auch beim Saisonhöhepunkt an der Startlinie stehen wirst. Am großen Tag ist das dann gleich ein ganz anderes Gefühl. (Klar geht das nicht, wenn das Schwimmen zum Beispiel im sonst gesperrten Kanal stattfindet. Dennoch kann selbst dann eine Besichtigung vor Ort ohne Wettkampfrummel und Lampenfieber einiges bringen.) Wenn nach dem Trainingslager außer Landes der stressige Alltag wieder Einzug gehalten hat, fehlt den meisten für das Abfahren der Wettkampfstrecken die Zeit.

Vorteil Heimspiel also! Da fragt man sich doch, warum man schon so oft in den Flieger gestiegen ist, nur, um ein paar (mehr) Kilometer zu schrubben und sich dabei nicht selten platt zu machen.

Gleichwohl gibt es natürlich auch einige Gründe, die doch fürs klassische Gruppentrainingslager in klimatisch bevorzugten Breiten sprechen:

1. Gefahr der Ablenkung durch Alltagpflichten

Im Trainingslager musst du nicht kochen, einkaufen, putzen, spülen und so weiter. Von den täglichen Pflichten befreit, siehst du keine unbearbeiteten Stapel auf dem Schreibtisch oder Körbe voller Wäsche, kannst dich voll auf den Sport und die Regeneration einstellen und konzentrieren. Wer zuhause einigermaßen konsequent trainieren möchte, muss es schaffen, sich nicht vom Alltag einholen zu lassen. Sonst findet er sich schnell doch über seiner Steuererklärung wieder statt im Sattel oder Schwimmbad. Und er darf auch nicht den Lockrufen von Couch, Computer, Fernseher, Telefon/Smartphone oder anderen Ablenkungsinstrumentarien erliegen. Etwas mehr Disziplin braucht es schon, sich zuhause jeden Tag aufzuraffen und wie geplant zu trainieren.

2. Geringere Motivation

Etwas an der Motivation könnten auch die fehlenden Trainingspartner zehren. In der Gruppe oder mit Trainingspartner/in fällt’s einfach leichter, sich auch mal zu quälen und über sich hinauszuwachsen. Ein Tipp wäre diesbezüglich natürlich, sich auch zuhause mit jemandem zu verabreden, der ähnliche Pläne hat. Am besten feste Abfahrtszeiten ausmachen! Auch, dass die Radstrecke in der Heimat wahrscheinlich eher an Industriegebieten als Inselbergzügen vorbeiführt, kann auf die Motivation drücken. Daran lässt sich – außer mit den erwähnten Kurztrips – wenig ändern. Andererseits kann das auch die eigenen Motivationsmöglichkeiten trainieren. Im sonnigen Süden unter Palmen kann’s ja jeder… Wenn du es dagegen hier schaffst, schaffst du es überall!

3. Schlechtes Wetter

Klar, zuhause in Mitteleuropa gehört wechselhaftes Wetter dazu. Wer richtig Pech hat, muss jeden Tag mit Regen, vielleicht sogar Hagel, Sturm oder Schnee kämpfen. Zwar gibt’s auch Hallenbäder (Tipp: vor dem Heimtrainingslager an mögliche Revisionszeiten denken!) oder Fitness-Studios (manche bieten auch Einzel, Zehner- oder Monatskarten an). Klar lässt sich beim Wetter-Unbill erst mal die lange Radeinheit mit der Lauf- oder Schwimmeinheit – oder wie wäre es mit spontanem Stabi-Training? – tauschen. Doch wenn das Jahrhundert-Tiefdruckgebiet einfach nicht weichen will, bringt das irgendwann nichts mehr, da hilft auch die beste Planung und Abhärtung nichts. Doch eine komplette Woche Dauerregen ist zum Glück auch hierzulande selten. Zudem sei daran erinnert, dass es auch auf spanischen Inseln sehr ungemütliche Regentage geben kann.Und, wenn alle Stricke reißen: Zur Not gibt’s ja immer noch die Online-Sofortbuchung oder den Last-Minute-Schalter am Flughafen…

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